Oper für Jung

Nationaltheater Mannheim nimmt zwei Produktionen von Holland Opera in ihr Repertoire.

Holland Opera ist ein Opernhaus aus Amersfoort, das sich spezialisiert auf neue Opern für Kinder und Jugendliche.

Nationaltheater Mannheim wird in der kommenden Saison eine deutsche Version der Oper Romeo & Zeliha von Holland Opera produzieren. Romeo & Zeliha ist eine Oper für junge Menschen, die von der unmöglichen Liebe zwischen einem holländischen Jungen und einem türkischen Mädchen handelt. Fons Merkies komponierte die Musik bereits im Jahr 2002 und die Produktion tourte in den Niederlanden in der Spielzeit  2002-2005 und, in einer aktualisierten Wiederaufnahme, im Jahr 2012.

Die Oper 4 Musketiere von Holland Opera komponierte Oene van Geel auf ein Libretto und die Regie von Joke Hoolboom und ist derzeit auf Tour in den Niederlanden. NT Mannheim organisiert vom  20. bis 27. November 2016 das Festival "Happy New Ears" und hat die gesamte Produktion 4 Musketiere als Eröffnungsvorstellung hierfür eingeladen.

NT Mannheim über die Entscheidung für Holland Opera:
“Wie schon bei Rothapje und auch 4Musketiers bin ich sehr beeindruckt von der hohen musikalischen Qualität eurer Arbeit, die sich mit einer sehr an der Lebenswelt des Publikums orientierten inhaltlichen Ausgestaltung der Geschichte verbindet.”

Kritik Volkskrant - 4 MUSKETIERS (ab 6 Jahren)

Verrat und Freundschaft mit wunderbar leidenden Männern

Eine rührende Geschichte, wunderschön formgegeben in einer cleveren Transformation von Dekor und Kostüm.

So schön kann das Spiel mit dem Schatten sein! Zu Beginn der Familienoper „4 Musketiere“ meint man, sich um Mitternacht auf dem Meer zu befinden. Wir sehen ein Boot mit den Schatten von degenfechtenden Musketieren: hier wird bis zum Tod gekämpft, aufgehetzt  vom  spannenden  Spiel von Cello und E-Gitarre, die im Bug des Schiffes sitzen. Jemand wird über Bord geworfen. Es geht um Verrat und das Ende einer langen Freundschaft. Und dann plötzlich wird alles leichter: der Ton, das Licht, das Dekor, der Gesang. Das Schiff verwandelt sich schnell in die mölige Küche einer winterlichen Imbissbude.

Was gerade noch als Mast und Bug diente, wird zu einem Gerüst mit klappernden Töpfen und Pfannen. Eine herrliche Doppelfunktion hat die Kopfbedeckung der Musketiere : die Feder auf dem Hut verwandelt sich in Suppengemüse. Und das ist nur eine der geschickten Transformationen von Dekor und Kostüm (entworfen von Douwe Hibma, Sophie Ketting, Ineke Duivenvoorde und Maarten Warmerdam). Innerhalb dessen entfaltet sich eine rührende Geschichte über ein Mädchen (wunderschön gespielt durch die ausdrucksstarke Sopranistin Donij van Doorn), die von den drei ehemaligen Musketieren Aufklärung erhofft über die Geschichte der über über Bord geworfene Mutter und über die Frage: Welcher der drei ihr Vater sei? Die Antwort sorgt für Männerleid, vor allem, weil die Musketiere ihre mutige Vergangenheit schon längst für mittelmäßige Kochkünste eingetauscht haben.

Regisseurin Joke Hoolboom hat  in ihrer Opernversion von Herman von Wijdeven‘s Theaterstück (das lose auf dem Roman von Alexandre Dumas gründet ) den großen Emotionen rund um Verrat, Freundschaft, Vater (-Lands-) Liebe, Lust und Betrug beeindruckend Form gegeben. In den gesungenen Dialogen kommen sie wunderschön zum Ausdruck und Komponist Oene van Geel schafft mit seiner spielerischen und erzählerischen Musik Gegengewicht durch die vielen virtuosen Tonleitern und gebrochenen Akkorde auf den Saiten von Gitarrist Jürgen Burdorf und Cellist Diederik van Dijk. Die Stimmen und körperliche Präsenz der drei Opernsänger passen perfekt zu den Charakteren ihrer Musketiere: Florian Just als naiver Aramis, Wiebe Pier Cnossen als brutaler Athos und Niek Idelenburg als jähzorniger Porthos. Genauso schnell wie die Spieße wieder zu Degen werden, endet ein leidenschaftliches Duett in einem geschliffenen Duell.